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Traumhund
Edo
Die
Liebe zum Tier weckt meist schnell den Wunsch zum Besitz eines Tieres.
So war es bei meiner Familie schon lange. Ganz besonders mochten wir
alle die Hunde. Schon als ich ganz klein war w�nschte ich mir einen
winzig kleinen Hund, der in unsere kleine Wohnung gepa�t h�tte. Doch
die Vernunft beendete immer wieder alle �berlegungen einen Hund
anzuschaffen. Meine Eltern waren beide berufst�tig und ich verbrachte
meine Zeit in der Schule und im Hort. Au�erdem sind wir fast immer
zweimal im Jahr zu Urlaubsreisen aufgebrochen.
Trotzdem hatten wir immer wieder Hunde in unserer Familie - Hunde
unserer Bekannten fanden bei uns, wann immer es m�glich war Unterkunft
w�hrend der Urlaubszeit.
Dazu geh�rte unter anderem eine Cocker-Spaniel-Dame mit dem Namen
Carmen. Sie war aus einer Familie, die immer wieder selbst den Nachwuchs
ihrer H�ndinnen bei sich behielt, so da� fast jedes Familienmitglied
einen Spaniel hatte. Carmen war ein sehr lieber, verschmuster aber
leider auch sehr fre�begieriger Feriengast. Sie liebte ausgiebige
Spazierg�nge. Danach war aber kein Bissen vor ihr sicher. Mit der
Folgsamkeit hatte sie ihre eigene Auffassung. Man konnte sich nie auch
nur ann�hernd darauf verlassen, da� sie die Kommandos ernst nahm.
Unser
erkl�rter Liebling war jedoch Edo, ein altdeutscher Sch�ferhundr�de.
Dieser Hund kam durch eine Besonderheit zu uns. Sein Herrchen, mein
Onkel, war Hundef�hrer bei der Polizei. Als ihm Edo als Diensthund
zugeteilt wurde, entstand sehr schnell eine ganz enge Bindung des Tieres
an seinen F�hrer. Die Polizeihunde verbringen normalerweise die Zeit au�erhalb
des Dienstes im Zwinger. W�hrend des ersten Urlaubs meines Onkels
verweigerte Edo das Futter und bekam graue Haare auf der Brust.
Daraufhin bekam mein Onkel die Erlaubnis, seinen Hund mit nach hause zu
nehmen. Er baute im eigenen Garten einen gro�en Zwinger.
Doch einen Sch�ferhund kann man ja nicht ohne Probleme mit in den
Urlaub nehmen. Also durfte Edo diese Zeit bei uns verbringen, weil sich
sehr schnell zeigte, da� er auch uns in sein Hundeherz geschlossen
hatte. Dieser Hund wurde f�r uns eine so gro�e Bereicherung, da� ich
mir noch heute nicht vorstellen kann, einen gleichartigen Hund zu
finden. Ich war gerade so etwa 12 oder 13 Jahre alt. Die
Erfahrungen mit Carmen hatten mich sehr vorsichtig werden lassen, wenn
ich allein mit ihr unterwegs war, da sie ja nur manchmal gehorchte. Edo
dagegen war ja bestens geschult. Nur sehr selten mu�te ein Komando
wiederholt werden. So konnte ich ihn ohne Probleme allein zu jeder
Tages- und Nachzeit ausf�hren. Ich f�hlte mich mit ihm immer sicher.
So war es f�r mich - und wie ich fest glaube auch f�r Edo - ein Spa�,
in der Nacht noch eine Runde spazierenzugehen. Da konnte es dann
vorkommen, da� uns ein gro�er kr�ftiger Mann entgegenkam. Auf das
Kommando: "Pa� auf!"" duckte sich Edos Kopf und Hals
zwischen seine Schulter, er ging ganz eng an meiner Seite, sein Gang
wurde schleichend und das ganze Tier "pa�te auf". Sehr oft
wechselte dann der "gro�e" Mann auf die andere Stra�enseite.
War die Begegnung vorbei, gab ich das Kommando "Lauf" und Edos
K�rperhaltung wurde entspannt und locker. Immer beobachtete ich nach so
einer Situation, da� er mich anschaute und ich entdeckte in seinen
Augen die Aussage: "Gelt, das habe ich gut gemacht!" Erst wenn
ich ihm dann zunickte, vergr��erte er dann den Abstand zu mir.
Als ich dann mit ca. 15 oder 16 Jahren mit meiner Freundin in
Begleitung von Edo unterwegs war, machten wir uns manchmal den Spa�,
Verehrern eine respektvollere Art der Ann�herung beizubringen. Dazu
schaffte ich es mit den Kommandos bei Edo eine noch grimmigere Haltung
hervorzurufen. Dabei hatten wir immer den Eindruck, er verstand genau,
wann welcher Ausdruck von uns gew�nscht wurde. Wenn wir ihn nach einer
Begegnung dann f�r sein Verhalten lobten und uns �ber die Reaktionen
unserer "Kontrahenten" am�sierten, waren wir immer wieder
fest �berzeugt, auch in Edos Minenspiel Spa�, in Form eines
schmunzelnden L�chelns, zu entdecken.
War Edo auch wirklich w�hrend der Urlaubszeiten mein Hund, so verga�
er uns im Augenblick der R�ckkehr meines Onkels ganz. Er lie� seinen
Herrn nicht mehr aus den Augen, blieb ganz dicht an seiner Seite und sa�
als erster im Auto, wenn es ans Heimfahren ging. Er gr��te uns dann
nur noch freundlich.
Neben meinem Onkel war meine Cousine, die damals noch ein Kleinkind war,
Edos Liebling. Sie durfte alles, auf ihm reiten, an ihm zerren und sich
an ihn kuscheln. Er schaute sie dabei nur geduldig und, wie wir meinten,
z�rtlich an. Ganz besonders auffallend war jedoch sein Verhalten, wenn
mein Onkel Uniform trug. Dann war Edo im Dienst. Er ignorierte uns v�llig.
Da� er seinen Dienst ernst nahm ging soweit, da� er pflichtbewu�ter
war als sein Herr. So geschah es einmal, da� mein Onkel im Nachtdienst
eingeschlafen war. Als der Befehl zu Einsatz kam, sprang Edo sofort mit
den anderen Diensthunden in den Mannschaftswagen. Da� mein Onkel nicht
dabei war, wurde erst am Einsatzort bemerkt. Im Revier war das noch
lange Gespr�chsstoff.
Da� Edo aber auch ein ganz "normaler" Hund war, stellte er
bei einer �bung fest. Bei einer Spurenverfolgung kam er an einem
Bauwagen von Stra�enarbeiter vorbei, das Fenster stand offen und
irgendein Arbeiter hatte seine Brotzeit schon auf dem Fensterbrett
ausgebreitet. Dieser massiven Verf�hrung konnte Edo nicht widerstehen.
Er schnappte sich eine deftige Wurst und schlo� sich mit dieser Beute
wieder seinen suchenden Kameraden an. Sicher wu�te er, da� es nur eine
�bung war!
Als Edos Dienstzeit mit etwa 8 Jahren zu Ende war, durfte er ganz
zu meinem Onkel ziehen. Seine letzten Jahre verbrachte er als
Familienhund. Als er nach einer Magenoperation nicht mehr gesund werden
konnte, mu�te mein Onkel sich schwersten Herzens zum Einschl�fern
bereit erkl�ren. Es war f�r uns alle, als w�re ein enges
Familienmitglied gestorben.
Monika
Gehrsitz
�2001
Heimtiere-Online.de
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