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Ein
Ostergeschenk und seine Geschichte
Er
ist gr��er und schwerer als manch kleine Hunderasse, schwarz, im
Sommer bekommt er braunes Fell, verschmust, sehr anh�nglich, frech und
gleichzeitig immer auf der Hut, kann manchmal auch w�tend knurren und
man mu� ihn einfach liebhaben. Was k�nnte das sein? Es ist ein -
zugegeben etwas ungew�hnliches - Kaninchen. Blacky, so sein Name, ist
wohl kein reinrassiges Kaninchen. Er geh�rt zu den, den meisten als
Stallhasen oder Hasenkaninchen bekannten, riesigen Kaninchenarten. Hier
m�chte ich Euch berichten, wie er zu uns fand.
Es war am 19.07.1994. Der Sportplatz meiner damaligen Schule lag in
der M�nchner Innenstadt, direkt an der Isar. Schon immer wu�ten wir,
da� es dort jede Menge Wildkaninchen gibt, die sich auf dem ganzen Gel�nde
ihre Wohnh�hlen gegraben haben. An dem besagten Tag machte ich mich mit
einer Freundin nach einem Sportfest auf den Weg zur S-Bahn. Fast
gleichzeitig erblickten wir am Rand des Weges ein kleines,
zusammengekauertes Fellb�ndel. Melanie, die selbst 4 Kaninchen besitzt,
nahm das fast bewegungsunf�hige Tier vorsichtig hoch. Erschreckt
stellten wir fest, da� es v�llig abgemagert und sehr schwach war.
Schnell stand fest, da� ich Blacky (so nannten wir ihn aufgrund der
Fellfarbe) mit zu mir nach Hause nehmen w�rde. Als ich dann
zusammen mit ihm in der S-Bahn sa�, kuschelte er sich ganz an mich und
versuchte auch nie, mir vom Arm zu springen. An meiner Station
angekommen, fra� er gierig den L�wenzahn, den ich ihm anbot. Da Blacky
noch immer ganz ruhig auf meinem Arm lag, als ich nach Hause kam, dachte
meine Mutter erst ich h�tte ein Pl�schtier auf dem Arm. Als sie
erkannte, da� es ein lebendiges Tier ist, war sie dann doch sehr
erstaunt.
Blacky fing bei uns gleich an, frisches Gr�n aus dem Garten sowie
Rennmausfutter zu fressen. Einen alten K�fig konnten wir uns gl�cklicherweise
von Bekannten leihen, Streu und Heu war von meinen Rennie�s vorhanden.
Gespannt waren wir, wie wohl mein Vater reagieren w�rde, wenn er von
dem Familienzuwachs erf�hrt. Naja, begeistert war er nicht als er es
erfuhr, was sich sp�ter aber sehr �nderte. Mein j�ngerer Bruder
Thomas war dagegen von Anfang an begeistert; er hatte sich schon immer
ein Kaninchen gew�nscht.
Am n�chsten Tag brachten wir Blacky zum Tierarzt. Dieser gab uns ein
Vitaminpr�parat, welches wir in Blackys Futter mischen sollten. Er
teilte uns mit, da� der Zustand von Blacky durchaus kritisch sei. Auch
sagte er uns, da� Blacky ein Weibchen ist und da� er wohl noch sehr
gro� werden w�rde. Blacky sei au�erdem kein Kaninchen, sondern ein
Hase. Auf die Frage nach dem Alter antwortete er uns, da� Blacky wohl
ein zu gro� gewordenes Ostergeschenk w�re (er d�rfte zu Ostern
etwa 8 Wochen alt gewesen sein). Vermutlich hatten die Vorbesitzer
ihn an der Isar ausgesetzt, in der Hoffnung er w�rde sich den
Wildkaninchen anschlie�en. Es war offenbar das Gegenteil der Fall, er
wurde von ihnen vertrieben und nicht an Futterpflanzen gelassen.
Das mit dem Vitaminpr�parat versetzte Futter nahm Blacky nicht mehr an,
also lie�en wir die Tropfen wieder weg. Blacky ging es trotzdem
Zusehens besser. Schon bald konnte er wieder hoppeln und die vor Schw�che
abgeknickten Ohren stellten sich auf. Als feststand, da� wir Blacky
behalten w�rden, kauften wir ihm einen gro�en K�fig, au�erdem geno�
er t�glichen Auslauf im Hobbyraum. Er schlief oft an uns gekuschelt auf
der Couch ein und wurde bald zum Liebling der ganzen Familie.
Angeknabberte Kabel oder M�bel gab es nie und eine Katzentoilette
benutzte er, ohne da� wir es ihm h�tten beibringen m�ssen.
Kaninchenk�fig zu klein f�r ihn war. Den Garten, den wir schon zuvor
weitgehend "kaninchensicher" gemacht hatten, wurde nun vollst�ndig
abgedichtet, so da� Blacky nicht mehr ausbrechen konnte. Dies geschah
zuvor auch schon einmal: eines Tages wurden wir von unserer Nachbarin
darauf hingewiesen, da� Blacky bei ihr an der Gartent�r sitzt und
neugierig das Leben auf der Stra�e beobachtet. Er war schon �fters mit
uns in diesem Garten und nutzte nun seine Chance und schl�pfte an einer
undichten Stelle unter dem Zaun durch, um einmal alleine auf
Erkundungstour zu gehen. Da er schon immer sehr anh�nglich war, glaube
ich auch nicht, da� er noch weiter weggelaufen w�re. Also dichteten
wir auch diese undichte Stelle im Zaun mit Draht ab. Da Blacky meist nur
in lockerer Erde und gl�cklicherweise selten ausdauernd gr�bt, m�ssen
wir uns keine gro�en Sorgen machen, da� er sich irgendwann mal unter
dem Zaun durchw�hlt. Von einer Freundin bekamen wir einen winterfesten
Stall, der zuvor von zwei mittelgro�en Kaninchen bewohnt war. Blacky f�hlt
sich auch in diesem Stall sichtlich wohl, nur die N�chte verbringt er
im Stall. Tags�ber schl�gt er seine �berm�tigen Haken im Garten, bet�tigt
sich als "Rasenm�her" und wurde auch schnell bei allen
Nachbarn beliebt.
Nachdem er den ersten Winter gut �berstanden hatte, kamen bei ihm Fr�hlingsgef�hle
auf. Schnell war klar, da� sich der Tierarzt get�uscht hatte: Blacky
ist keinesfalls ein Weibchen, sondern ein stattlicher Rammler. Als
Blacky ausgewachsen war, wurde auch deutlich, da� er wohl ein Kaninchen
und kein Hase ist. Daf�r spricht sein K�rperbau und sein Verhalten.
Hasen sind au�erhalb der Paarungszeit Einzelg�nger, Blacky dagegen ist
das ganze Jahr lang sehr anh�nglich und verschmust.
Im Sommer bl�ht Blacky jedesmal richtig auf: seine Menschen sind dann
nat�rlich sehr oft im Garten und au�erdem darf er im Sommer auch in
das Haus. Dann h�pft er im ganzen Haus treppauf/treppab und kratzt an
den Zimmert�ren (indem er sich an ihnen aufrichtet) um in die
Zimmer gelassen zu werden. Dort sucht er sich einen bequemen Platz, legt
sich hin und wartet auf Streicheleinheiten. Besonders gerne liegt er auf
St�hlen oder auf der Couch. Bis auf die Zimmerpflanzen, die er
"zum Fressen gern" hat, richtet er dabei keinen Schaden an.
Fast immer versucht er m�glichst viel Kontakt zu uns zu haben, andere
Kaninchen dagegen hat er nicht so gerne. Er l�uft oft im Garten hinter
uns her oder springt auf den Stuhl und kuschelt sich auf den Scho�.
Beachtet man ihn ausnahmsweise nicht, wird er ungeduldig und stupst uns
an, um sich seine Streicheleinheiten zu holen. Als Gegenzug schleckt er
denn z�rtlich und mit gro�er Ausdauer die H�nde "seiner"
Menschen ab. Wenn ihm mal etwas nicht pa�t, kann er auch richtig mi�mutig
knurren (wird oft als "murksen" beschrieben). Meist
aber kommt er, freundliche, schwer beschreibbare T�ne von sich gebend
auf uns zugelaufen. Dann blickt er einen mit seinen gl�nzenden, gro�en,
braunen Augen an und so mu� man ihn einfach liebhaben.
Gerade nach Ostern werden besonders viele Kaninchen ausgesetzt oder in
Tierheimen abgegeben. Nicht alle haben so viel Gl�ck wie mein Blacky.
Also bitte keine Kaninchen verschenken, wenn �berhaupt, dann nur wenn
sicher ist, da� der Beschenkte sich das Tier wirklich w�nscht. Beim
Kauf des Kaninchens auf die Ohren achten: diese verraten, wie gro� das
Tier etwa wird. So hatte Blacky als ich ihn fand im Vergleich zum K�rper
riesige Ohren.
Sabine
Gehrsitz
�2001
Heimtiere-Online.de
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